BUCHGESPRÄCH MIT DR. ARTHUR JANOV
von Lisa Burns
Arthur Janov, Autor von The Janov Solution - Lifting
Depression through Primal Therapy .
Frage: Seit dem Erscheinen des Buches Der Urschrei in
den 1970ern haben Ihre Bücher die Psychotherapie revolutioniert und das Leben
vieler Menschen verändert. Haben Sie sich an Leute gewöhnt, die Ihnen sagen,
dass Ihre Bücher ihr Leben verändert haben?
Antwort: Jahrelang erhielt ich Hunderte von Briefen, die
um Hilfe durch meine Therapie ersuchten oder sie beanspruchten. Ich habe
versucht, jeden davon zu beantworten, und auch heute noch in Europa stoße ich
auf Leute, die die Briefe aufbewahrten, die ich ihnen geschickt habe. Ich fühle
mich geschmeichelt durch all das. Ruhm ist nicht meine Sache, aber es ist meine
Berufung, Menschen aus Angst und Depression herauszuhelfen. Ihre Zahl beläuft sich
jetzt auf Zehntausende, und ich habe keinen Zweifel, dass Primärtherapie die
Therapie der Zukunft sein wird; sie ist die erste echte Wissenschaft der
Psychotherapie. Wir haben Erfolge auf Gebieten gehabt, wo ich es nie für
möglich gehalten hatte, -- Migräne, Epilepsie, Bluthochdruck, etc.
Frage: The Janov Solution erklärt, wie Patienten
sicheren Zugang zu den tiefsten Gehirnebenen finden, frühe Erfahrungen
wiedererleben und Depression überwinden können. Müssen Patienten für das
Wiedererleben dieser Erfahrungen offen sein, damit es geschehen kann, oder
geschieht es unabsichtlich, wenn Sie die Primärtherapie praktizieren?
Antwort: Es ist nie eine Sache von Willenskraft, nicht
einmal des Gesund-Werden-Wollens. Es passiert alles automatisch in unserer
Therapie. Wir können Menschen von tiefer Depression befreien, weil die Ursachen
tief im Gehirn liegen. Wir sind die einzige Therapie, die Zugang zu diesen
ursächlichen Einprägungen hat, welche mit Depression enden. Der Grund für
die bisherige Unerbittlichkeit der Depression liegt darin, dass keine andere
Therapie einen Weg gefunden hat, um tief ins Unbewusste zu gehen und die
Ursachen der Depression aufzustöbern.
Frage: Können Kinder Primärtherapie machen? Gibt es ein
bestimmtes Alter, in dem sie am besten funktioniert?
Antwort: Wir haben selten Kinder in der Therapie, aber
diejenigen, die als Kinder Satansrituale erdulden mussten (und wir haben das
gefilmt), haben in unserer Therapie echte Fortschritte gemacht.
Einige Leute kommen zu uns, weil sie sich besser fühlen wollen.
Ich habe mehrere Homosexuelle gesehen, die kein Verlangen hatten, sich zu
ändern, bei denen es aber nach drei Jahren Therapie geschah. Das beste Alter
für die Therapie ist in den frühen Zwanzigern, obwohl wir mehrere ältere
Patienten hatten, einschließlich einer fünfundsechzig Jahre alten Ärztin, die
ihr ganzes Leben lang Bettnässerin war. Die Therapie hat es beendet. Wir
verstehen die Neurologie der Sache und wissen deshalb, wie man sie angeht.
Frage: Glauben Sie, dass man Depression ausrotten
könnte, wenn mehr Menschen Primärtherapie verstünden?
Antwort: Ich habe Hunderte von Depressiven behandelt, von
einem, der sich eine Kugel direkt neben sein Herz setzte, bis zu einem anderen,
der Dynamit neben seinem Bett aufbewahrte.Wir haben ihnen geholfen, weil wir zu
der frühesten kritischen Periode zurückgehen können, wenn
Kleinkind-Bedürfnisse erfüllt werden müssen, und wir haben Zugang gehabt zu
dem Kind und seinen Gefühlen, zu der Grundlage der Depression.
Frage: Wie haben Sie Primärtherapie entwickelt? Wie
entwickelt man so eine revolutionäre Idee?
Antwort: Ich nahm das Ur-Primal vor vierzig Jahren in
meiner regulären Praxis auf Band auf und hörte es auf Hinweise ab. Ich
brauchte zwanzig Jahre, um dahinter zu kommen und dann zu entdecken, was
während all dem im Gehirn geschieht.
Wir haben vier separate Gehirnwellen-Studien unserer depressiven
Patienten unternommen, plus einige neurochemische Studien (Serotonin-Spiegel)
und Untersuchungen der Vitalfunktionen. Es hat Jahrzehnte gedauert, die
Theorie auszuarbeiten und sie dann mit neuer physiologischer Forschung zu
verzahnen, um das zu entwickeln, was jetzt eine sehr präzise Therapie ist. Ich
denke, jeder, der unsere Gefühlstherapie entwickeln oder verstehen will, muss
Zugang zu Gefühlen haben; andernfalls bleibt das, was mit einem Patienten
geschieht, ein Geheimnis.
Frage: Was hält die Zukunft für das Primal Center
bereit? Was wollen Sie hinsichtlich psychotherapeutischer Techniken noch
erreichen?
Antwort: Wir bilden jetzt Therapeuten aus aller Welt aus
in einem zweijährigen Praktikanten-Programm. Wenn ich nach unseren Ergebnissen
urteile, glaube ich, dass es unvermeidlich ist, dass es die Therapie unseres
Jahrhunderts sein wird. Welche andere Therapie kann etwas an Epilepsie ändern?
Was wir machen, ist das exakte Gegenteil der gegenwärtigen gut eingeführten
kognitiven Einsichtstherapien. Ich habe versucht, eine
Magnetresonanz-Untersuchung auf die Beine zu stellen, aber es gelingt mir nicht,
die Gurus der Nuklearmedizin dafür zu interessieren.

Übersetzung aus dem
Amerikanischen: Ferdinand Wagner

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