Als ich zum ersten Mal darüber
schrieb, wie das Geburtstrauma und pränatale Erfahrung das
Verhalten des Erwachsenen beeinflussen, betrachtete man das als
„New Age.“ Jetzt gibt es buchstäblich Hunderte von Studien,
die diese Behauptung verifizieren. Mittlerweile scheint es kaum
noch Zweifel zu geben, dass die Stimmung und Physiologie einer
schwangeren Frau Langzeit-Wirkung auf den Nachwuchs haben kann.
Das bedeutet auf uns.
Beginnen wir mit einem
einfachen Forschungsergebnis; Dr. Daniel Schacter, Psychologe der
Harvard Universität, hat von einer Untersuchung berichtet, in der
Versuchspersonen sich Ausschnitte einer TV-Serie ansahen und deren
Gehirnwellen dann gemessen wurden (siehe Science, Sept.
2008).
Sie fanden heraus, dass,
wenn die Versuchsperson sich an das Ereignis erinnerte, die
Signatur der einzelnen Gehirnzellen dieselbe war wie beim ersten
Betrachten. Sie berichteten, dass es wie ein Wiedererlebnis
schien; was natürlich die ganze Zeit mein Standpunkt war. Wie
nennen Sie es, wenn eine Erinnerung die genaue Geschichte eines
Menschen mit ihrer präzisen frühen Physiologie hochbringt? Das
geschieht mit unseren Patienten jeden Tag. Wenn es gewisse Auslöser
gibt, zaubert das Gehirn seine Geschichte hervor – unversehrt.
Deshalb ist unser Verhalten so zwanghaft und unentwegt; unsere
Geschichte motiviert uns die ganze Zeit. Wir sind weitgehend Opfer
unseres tiefen unbewussten Gehirns.
Bei Schacters Forschung an
epileptischen Chirurgie-Patienten führte man Elektroden tief ins
Gehirn der Versuchsperson ein. Diese Elektroden konnten kleine
Gehirnstürme an ihrem Ursprung lokalisieren. Und sie konnten
minuziöse Messungen während des Erinnerns machen. Die Lektion?
Wir können vergangene Ereignisse in ihrer Ganzheit wiedererleben,
genau wie sie geschehen sind. Ganz neu an all dem ist, wie früh
schon ein Erlebnis unser späteres Leben beeinflussen kann. Denken
Sie an die Implikationen: dass alte Erinnerungen denselben
Neuronen (Nervenzellen) innewohnen, die ursprünglich beteiligt
waren. Deshalb kann der Neurotiker nicht zwischen Vergangenheit
und Gegenwart unterscheiden
und sieht die Realität durch das Prisma der Vergangenheit.
Gehen wir zu der Auffassung
zurück, die ich früher erörtert habe: Epigenetik. Ein einziger
Genotyp, eine einzelne genetische Disposition kann viele Phänotypen
enstehen lassen, abhängig davon, was mit diesen Genen während
der Schwangerschaft geschieht. Was wir uns also vorstellen könnten,
ist, dass Genetik Genetik plus dem ist, was mit uns im Mutterleib
geschieht. Es geschieht so viel mit uns im Mutterleib; so Vieles
ist hinsichtlich seiner Langzeitwirkung übersehen worden, dass
viele Krankheiten ein Geheimnis bleiben, weil wir mit den falschen
Werkzeugen zur falschen Zeit am falschen Ort suchen.
Was ich lerne, ist, dass
Ereignisse im Mutterleib so viel über unser späteres Leben erklären.
Wenn man einen hervorsprießenden Zweig verbiegt, bekommt man
zwangsweise einen verkrümmten Baum. Die Frage war immer: „Wie
früh ist früh?“
Das Interesse an Epigenetik
wächst. Eine Gruppe an der Universität des Staates Washington
(unter der Leitung von Matthew Amway) fand heraus, das bei Tieren
Schwangerschafts-Erfahrungen, welche die genetische Entfaltung
beeinflussen, Wirkung auf drei Generationen zeigen können. Sie
fanden heraus, dass Stress-Aussetzung bei trächtigen Ratten in
fehlerhaftem Sperma beim Nachwuchs resultierte. Einige Wirkungen,
die sich ergaben, schlossen Krebs bei erwachsenen Tieren ein.
Weibchen vermieden es, sich mit anderen Ratten zu paaren, die während
der Schwangerschaft auch dem Stress ausgesetzt waren. Und das ging
weiter, nicht nur fürs ganze Leben der Erwachsenen-Tiere sondern
auch mit ihrem Nachwuchs. Es scheint dass das System selbst weiß,
wie es sich verhalten muss, wenn gewisse biologische Mängel
gegeben sind, und es ist immer im Sinne dessen, was für die
Erbmasse am besten ist; was uns den besten Anstoß gibt, um im
Leben Erfolg zu haben. Wenn wir also gewisse Merkmale bei
Erwachsenen mit Vererbung nicht erklären können, müssen wir
vielleicht mehrere Generationen zurückgehen, um sie zu erklären.
Das gibt uns einen neuen Blickwinkel auf sogenannte psychologische
Probleme bei Erwachsenen. Natürlich extrapolieren wir von
Tierexperimenten, aber das kann durchaus ebenso für menschliches
Verhalten Voraussagen ermöglichen.
Zum jetzigen Zeitpunkt können
wir nur raten, welche der Traumen, die der schwangeren Mutter
zustoßen, ihre Auswirkungen bis zu den Enkeln fortsetzen. Es geht
nicht einfach darum, dass die Mütter ein Trauma erlebten, sondern
darum, dass dieses Trauma ihre Grundphysiologie ändert, und diese
Veränderung kann lebenslange Auswirkungen haben. Und wenn also
ein Enkelkind in seinen zwanziger Jahren Herzprobleme oder Krebs
entwickelt, müssen wir vielleicht die mutmaßlichen Ursachen
nochmals überdenken; schauen, welche Art von Schwangerschaft
seine Großmutter durchlebte. War es in der Kriegszeit? Oder
stritten die zukünftigen (Groß-)Eltern die ganze Zeit? War Großmutter
deprimiert? War sie in ihrer Schwangerschaft eine starke Raucherin
oder Trinkerin? Es gibt eine ganze Menge neuer Variablen, die man
in Erwägung ziehen muss. Das sieht ganz nach der verworfenen
Theorie von der Vererbung erworbener Charakterzüge aus, aber wenn
wir genau hinsehen, gründet es nicht auf Vererbung sondern auf
Epigenetik; was mit der Entfaltung dieser Gene geschah, als sich
das Trauma einschaltete.
Es folgt hier der Bericht
eines Patienten. Er ist nahe zu ein Duplikat dessen, wie
zahlreiche
Patienten über dieselbe Sache berichten: „In meiner letzten
Sitzung fühlte ich mich völlig hilflos. Ich konnte mich nicht
bewegen oder sprechen. Ich war schwach und hatte das Gefühl
festzustecken. Ich konnte nicht atmen, weil etwas Schweres auf
meine Brust drückte. Ich kann nichts tun und niemand kann mir
helfen. Ich glaube nicht, dass die Vorstellung von Hoffnung damals
überhaupt existierte. Es scheint, dass während jener Zeit
niemand existierte. Es gab keine Worte, Szenen, keine Leute und
keine Eltern. Ganz alleine. Extrem unangenehm.“
Ein anderes Beispiel, welches das Wiedererlebnis des
Geburtstraumas beinhaltet:
„Mein Wissen über
eine Beziehung zwischen meinem pränatalen Leben und meinem Leben
allgemein beschränkt sich auf die Diät meiner Mutter damals, die
nahezu gänzlich auf dem Verzehr von Erdnüssen beruhte, weil das
ihre einzige Nahrungsquelle war. Ich bin immer ganz verrückt nach
Erdnüssen.
Meine früheste
Empfindung im Verlauf des Wiedererlebnisses meines Geburts-Primals
war die „Es–ist-Zeit-aufzubrechen-„Empfindung, die sich auch
in einer körperlichen Empfindung eines „Tritts“in meinen
unteren Rücken äußert. Auf dieser Stufe gab es nur ein Gefühl,
dass ich mich selbst vorwärts wölbte, ohne dass ein anderes Gefühl
dazugehörte. In dem Prozess der Vorwärtsbewegung auf eine Öffnung
zu fühlte ich, wie ich ein paar Mal rastete, bis mich
derselbe „Tritt“ in meinen unteren Rücken antrieb,
mich weiterzubewegen.
Meine nächsten
Empfindungen sind die, dass ich von allen Seiten gequetscht werde,
wobei ich große Anstrengungen unternehme, mich vorwärts zu
bewegen, ein Gefühl von Not gefolgt von kurzen Perioden der
Hoffnungslosigkeit, die sich in einer „Jüngster-Tag“-Empfindung
manifestieren. In diesem Stadium werde ich panisch, es gibt keinen
Ausweg, alles ist gegen mich, und zu all dem kommt hinzu, dass man
meiner Mutter Betäubungsmittel gab, die der Grund dafür sind,
dass ich körperlich lethargisch bin (der Geruch und Geschmack
kommt hoch in jedem ganz frühen Primal, das ich habe).
Gleichzeitig verstärkte sich meine Panik. Ich war ganz nahe dran,
wirklich völlig aufzugeben, aber ich unternahm eine letzte
Anstrengung.
Ich war allein in meinem
Erlebnis; niemand konnte mir helfen. Meine Prägung von der Geburt
ist vor allem: Ich traue Frauen nicht. Ich muss alles selbst
machen, ich bin einsam, unter extremen Umständen funktioniere ich
sehr gut, aber es fühlt sich nicht gut an, am Leben zu sein. Hier
sind sie wieder, die Gefühle von Hilflosigkeit und
Hoffnungslosigkeit. Ein unbeschreibliches Gefühl von Düsternis
und Verhängnis.“
Ein Beispiel: Jemand kommt
auf die Welt und hat von Geburt an alle möglichen Allergien. Eine
Geschichte von Notfallklinik-Besuchen wegen jeglicher Art von
Infektionen, Asthma, Atmungsproblemen aufgrund von Allergien und
allgemein aufgrund eines sehr mangelhaften Immunsystems. Hier müssen
wir die Decke zurückziehen und unsere Aufmerksamkeit auf jene frühen
Monate im Mutterleib richten. Wenn wir das tun, finden wir oft
heraus, dass die Mutter ziemlich ängstlich und/oder deprimiert
war. Oder oft fällt die Ehe auseinander. Oder in einem Fall war
der Ehemann angewidert, als ihr Bauch dick wurde, und suchte sich
eine Affäre. Die Mutter war geknickt, fiel in eine Depression,
und wir hatten ein Baby, das die Auswirkungen von all dem zu spüren
bekam und mit einem geschwächten Immunsystem geboren wurde,
etwas, das ganz früh in der Schwangerschaft begann. Vergessen Sie
nicht, dass das Immunsystem in gewisser Hinsicht unser erstes
rudimentäres Nervensystem ist, das Gefahren und Bedrohungen aufspürt
und die Abwehr gegen sie organisiert. Das schließt die Sekretion
von einigen der schmerztötenden Neurotransmitter mit ein, die wir
heute kennen. Was damit begann, uns zu verteidigen, endet damit,
dass es uns verletzt. Wenn das Immunsystem beeinträchtigt wird,
sind die Chancen gut, dass es auch mit den natürlichen
Killerzellen geschieht.
Die Tatsache, dass wir
dieses physiologische Grundsystem normalisieren, bedeutet, dass
Patienten tatsächlich ganz frühe Ursachen wiedererleben. Ich
glaube, dass keine Kognitions-/Einsichtstherapie jemals das natürliche
Killerzellensystem ändern könnte. Huot und Kollegen haben
gezeigt, dass die Depression einer Mutter, wenn sie schwanger ist,
sich auf das Baby auswirkt. (R.L.Huot,
et al., « Negative Affect in Offspring of Depressed
Mothers is Predicted by Infant Levels at 6 Month, and Maternal
Depression during Pregnancy but Not Post-Partum,” N.Y.
Academy of Science 1032, 2004. 234-236).
Das ist nicht der Fall bei
einer Mutter, die deprimiert ist, wenn sie gebiert. Sie konnten
das spätere Verhalten voraussagen, und es war abhängig davon, ob
die Schwangere deprimiert war. Die Forscher fanden, dass
Stresshormon-Spiegel, die auf einen unbedeutenden Stressreiz
reagierten (Arm-Einschränkung), negative Reaktionen bei
Kleinkindern vorhersagten. Es gab einen besonders negativen
Effekt, wenn die Frau in den ersten zwei Trimestern deprimiert
war. Kurz gesagt ist die in utero eingetretene Wirkung von Dauer.
Und sie ist vorhersagbar, wenn bestimmte Widrigkeiten gegeben
sind, die sich auf den Fetus auswirken. Und es scheint, je früher
das Trauma sich ereignet, umso zerstörerischer ist es. Hier sehen
wir wieder, dass wichtige Ereignisse, die während der
Schwangerschaft geschehen, bedeutender sind als die Erfahrung nach
der Geburt. Seit Jahrzehnten sage ich: Je verheerender das Trauma,
umso verheerender das Symptom. Um die möglichen Ursachen eines
Symptoms zu verstehen, muss man sich anschauen, wie überwältigend
es ist; wie vollständig es das Funktionieren blockiert. Das sagt
uns oft, wie früh die Einprägung stattfand und wie schädlich
sie ist. Seine Tiefe im Körpersystem ist ein anderer Indikator
dafür, wie früh das Trauma sich ereignete (z.B. Kolitis).
Weil das Baby mit
Stresshormonwerten geboren werden kann, die höher als normal
sind, und weil das Immunsystem in einer Schaukelbewegung mit
Kortisol funktioniert (großer Stress-geringe Immunfunktion), hat
der Fetus vielleicht die Grundlage geschaffen für lebenslange
Immunprobleme. Genau hier spielt die Genetik eine Rolle; großer
Stress beim Fetus beeinflusst diejenigen Areale mit genetischer
Verwundbarkeit. Was ist letztlich die Bedeutung hoher
Stresshormonspiegel während des fetalen Lebens? Es bedeutet einen
Input, der das System antreibt, chronisch wachsam zu sein. Und
wenn das System diesen Input längere Zeit wegschließen kann,
haben wir die nötigen Zutaten für eine dauerhafte Primär-Einprägung.
Dieser Input ist mütterlich induziert. So haben wir ein
Neugeborenes mit einem hohen Agitationsniveau, das bereits viele
Wochen früher geschaffen wurde. Hier wartet ADDHD
(Aufmerksamkeitsmangel-Störung) auf seinen Einsatz. Im Lauf der
Zeit können die schädlichen Resultate von impulsiven Tendenzen
bis zu Migräne und hohem Blutdruck (um den eingeprägten Input zu
unterdrücken) reichen. Es ist dann kein Geheimnis, wenn sich das
Kind nicht konzentrieren oder nicht stillsitzen kann. Es reicht
nicht, wenn man weiß, dass der Stresshormonspiegel beim Baby hoch
ist; was hat ihn zuerst verursacht?
Nach einem Jahr unserer
Therapie ändern wir natürliche Killerzellen auf normale Werte.
Die Schlüsselfunktion dieser Zellen ist, nach Krebs entwickelnden
Zellen Ausschau zu halten und sich auf sie zu stürzen, um sie in
Schranken zu halten. Somit kann der Stress einer Mutter in der
Schwangerschaft lebensbedrohliche Wirkung für ihr Baby bedeuten,
nicht zuletzt Krebs. Je früher das Trauma im Mutterleib
stattfindet, umso verheerender sind die Wirkungen. Das ist unser
bedeutendes Geheimleben.
Was kann man da machen?
Zuallererst das Ganze behandeln und dann sicherstellen, dass es
nicht zurückkommt? Wie machen wir Letzteres? Indem wir die frühesten
Mutterleibs-Ereignisse wiedererleben. Wie machen wir das? Nun, glücklicherweise
wird jedes neue schädliche oder widrige Erlebnis, das
unintegriert bleibt, auf einer höheren Ebene des Nervensystems
re-repräsentiert und als Außenseiter oder Feind vermerkt. In der
Tat ist es eine Bedrohung für den Organismus. Ich glaube, dass es
spezielle Frequenzen gibt, welche diese Ereignisse miteinander
verbinden. Wenn wir diese verzweigten Ereignisse erforschen und
anfangen sie wiederzuerleben, erleben wir auch frühere und
tiefere Aspekte des Feelings und/oder Schmerzes. Und so erleben
wir rein physiologische Hirnstamm-Reaktionen wieder, ohne sie je
zu erkennen.
Wenn es gewisse Auslöser
gibt, zaubert das Gehirn seine damit in Beziehung stehende
Geschichte hervor, und zwar unangetastet. Deshalb ist unser
Verhalten so zwanghaft und unabänderlich; unsere Geschichte lenkt
uns die ganze Zeit. Wir sind weitgehend Opfer unseres tiefen
unbewussten Gehirns. Wir können nur tiefer in die ferne
Vergangenheit gelangen, indem wir immer mehr Zugang zu tieferen
Ebenen der Gehirnaktivität erlangen. Zuerst brauchen wir wirklich
guten Zugang zu unseren Gefühlen; dann zu ganz frühen
Hirnstamm-Ereignissen. Das braucht Zeit, aber es ist machbar.
Und was ist mit Krebs? Die
Zelldeformierung kann durchaus im Mutterleib beginnen mit der
Angst der Mutter aufgrund ihrer eigenen Geschichte oder aufgrund
ihrer Ehe–Bedingungen. In jedem Fall muss das das fetale System
seine Ressourcen zusammenraffen, um übermäßigen Input
wegzuschließen. Hier ist der Punkt, an dem viele Zellen ihre
Identität entwickeln und erwerben, aber stattdessen gibt es
massive Verdrängung und letztlich physiologische Abweichung, auch
auf der Zellebene.
Eine Patientin hatte drei
Geschwister, die alle „verpfuscht“ und depressiv waren. Es
blieb ein Geheimnis, warum sie alle so gestört waren (ihre Eltern
waren tatsächlich liebevoll), bis sie ganz frühe Primals hatte
(ein systematisches
Wiedererleben eines frühen Traumas). Sie erfuhr, dass es in Südamerika
einen Bürgerkrieg gab, der viele Jahre dauerte. Der Vater verließ
die Familie, um in den Kampf zu ziehen, wobei er gelegentlich nach
Hause kam, um Babys zu machen. Die Mutter war in einer
verzweifelten Notlage, hatte kein Geld und niemanden, an den sie
sich wenden konnte, und sie lebte in Angst vor den ständigen Überfällen
in ihrem Dorf. Die Kinder litten bereits in der Fetalphase. Sie
war eine liebevolle Mutter, die von den Kindern innig geliebt
wurde, aber sie war in der Schwangerschaft vernachlässigt worden,
was man nicht übersehen darf. Das hatte weitreichende Wirkungen.
Deshalb ist es ein Indikator dessen, was im Fetalleben los war. Können
wir uns einen Arzt vorstellen, der mit seinem Patienten einen
Schlaganfall erkundet und dann dessen Leben als Fötus überprüft?
Niedriges Geburtsgewicht
steht in Zusammenhang mit langsamem Fetalwachstum und
Entwicklungsdefiziten verschiedener Körpersysteme. Wenn das
Neugeborene irgendwie abnormal ist, auch hinsichtlich des
Geburtsgewichts, können wir annehmen, dass vielleicht etwas
Abnormales während der Schwangerschaft geschehen ist. Die Babys
depressiver Mütter haben öfter niedriges Geburtsgewicht. Denken
wir wenigstens darüber nach. Babys mit niedrigem Geburtsgewicht
fehlt es an Muskeln, und das folgt ihnen ins Erwachsenenalter.
Hier folgt ein Zitat aus der der Helsinki-Geburtsgruppen-Studie:
„ (Wir) haben gezeigt, dass das Risiko für koronare
Herzkrankheit und Typ-2-Diabetes oder verminderter
Glukose-Toleranz bei solchen 60- bis 70-Jährigen weiter zunimmt,
die bei der Geburt klein waren, dünn oder zu kurz als Säuglinge,
die aber zwischen dem zweiten und elften Lebensjahr schnell an
Gewicht zulegten. Es wurde nachgewiesen, dass eine ähnliche
Wachstumskurve für Typ-2-Diabetes oder verminderte
Glukose-Toleranz prädisponiert.“
Leute, die einen
Schlaganfall erleiden, sind tendenziell zu dünn oder zu kurz mit
2 Jahren. Es gibt Beweise, dass diese frühen Ereignisse später
zu Bluthochdruck führen können, der ein wichtiger Risikofaktor für
Herzkrankheit als auch für Schlaganfall ist. Der springende Punkt
ist der, dass, wenn ein Kind außerhalb der Normalitätskurve
geboren wird (zu dick oder zu dünn), dies ein Anzeiger einer
gewissen Anomalie während der Schwangerschaft sein kann. Ich
werde gleich die jetzt signifikanten Forschungsergebnisse über
hohe Stresspegel bei Schwangeren und ihre Wirkung auf das Herz des
Babys erörtern, dessen Physiologie eng mit der Mutter verbunden
ist.
Wir müssen erforschen,
inwiefern die Alzheimer-Krankheit mit Schwangerschaftstrauma und
auch mit Geburtsproblemen in Zusammenhang steht.
Bestimmte Größen- und
Gewichtsprobleme mit 2 Jahren sind ein anerkannter Indikator für
emotionale Kindheitsprobleme. Warum ist das so? Es gibt eine Reihe
von Antworten. Das Wachstum des Fetus hängt schwer von
angemessener Sauerstoff-Zufuhr ab. Aufgrund des großen Gehirns,
das eine gehörige Menge Sauerstoff verbraucht, besteht eine
physiologische Forderung nach immer mehr. Wenn diese Zufuhr aus
irgendwelchen Gründen eingeschränkt wird, verlangsamt sich das Körperwachstum,
so dass das Gehirn unversehrt bleibt. Daher ergibt sich das
niedrigere Fötalgewicht. Wir sollten immer daran denken, dass
Krebs sich ohne Sauerstoff entwickeln und existieren kann, und es
kann sein, dass die Anpassung an niedrigere Sauerstoffmengen im
Mutterleib Teil einer Erklärung für späteren Krebs ist. Beraube
eine Zelle eines überwiegenden Anteils der Sauerstoffmenge, die
sie benötigt, und du hast ein Schlüsselelement für den Ursprung
einiger Krebsarten. Das kann nur eine Hypothese sein.
An Versuchstieren hat man
herausgefunden, dass alles, was den fetalen Stresshormonspiegel
erhöhte, später in erhöhtem Blutdruck, Angst und Hyperglykämie
resultieren konnte. Und wenn wir an Stresshormon-Spiegeln
herumfingern, erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit späterer
Herzkrisen. Und Kortisolspiegel sind auch schwer beteiligt bei der
Anzeige, dass der Geburtsprozess beginnt.
Kortisol ist ein
Stresshormon, weil es die Alarmsignale in Gang setzt, um übermäßigen
und zu starken Input zu bekämpfen. Wenn das lange Zeit andauert,
fördert es die Möglichkeit von Demenz und eines ganzen Haufens
anderer Krankheiten. Primär-Einprägungen machen genau das; sie
halten einen hohen Kortisol-Spiegel ein Leben lang aufrecht.
In nahezu jeder
Untersuchung über pränatales Leben taucht die Folgerung auf,
dass hohe Stresshormonspiegel der schwangeren Frau später beim
Nachwuchs zu Bluthochdruck und Herzproblemen führen können.
Kleinkinder von Müttern, die man vor der Schwangerschaft als ängstlich
diagnostiziert hatte, hatten signifikant höhere
Stresshormonspiegel. Die Neuro-Psychologin Paula Thomson erklärt:
Pränatale Stressreaktionen hängen vom Stressniveau der Mutter
ab. Aber wie Babys es zeigen, geschieht durch ein begrenztes
physiologisches Vokabular.“
Sie glaubt, dass die fötale Stressreaktion bereits
’verdreht’ ist und dass sich die frühe Stressreaktion unter
späterem Stress nicht ändert. Sie kann blockiert, umgeleitet, überdeckt
werden, aber sie bleibt so klar wie ursprünglich.
Sie glaubt, dass man
Stresszustände beim Ungeborenen und Neugeborenen durch erhöhten
Herzschlag und höheres Aktivitätsniveau erkennen kann (plumper Körper,
Einzel- und Mehrfach-Gliedmaßen mit höherer Reflex-Aktivierung).
Das Ungeborene und Neugeborene können schlecht abgestimmte
diffuse Bewegungen und offensichtliche Grimassen zeigen; und sie
werden ziemlich ungeschickt sein und mangelhafte Koordination
aufweisen. All das kann ein Prophet späterer Herzkrankheit sein.
Das heißt, nur wenn wir das Problem in einem Gestalt-Überblick
betrachten.
Thomson: „Ein überspannendes
Ziel dieses Artikels besteht darin, Klinikern dabei zu helfen, die
potentiell zerstörerischen Effekte pränatalen Stresses zu
verstehen.“ (Siehe Thomson, „Down Will Come Baby,” Journal
of Trauma and Dissociation, Vol. 8 (3) 2007).
Sie fügt hinzu: “Es ist
zu hoffen, dass vermehrtes Wissen über pränatalen Stress
psychotherapeutische Behandlungs-Protokolle beeinflussen wird,
besonders wenn man ernsthaft traumatisiert und dissoziative
Patienten behandelt, die vielleicht selbst frühen vorgeburtlichen
Stress erlitten haben. Wenn des Weiteren diese Patientinnen
schwanger werden, kann die geeignete Behandlung der Mutter dem
Nachwuchs nützen. Wenn Kliniker eine Schwangere mit
therapeutischer Intervention versorgen, wird dadurch vielleicht
auch das Ungeborene beeinflusst.“ (Field,
2001; Ponirakis, Susman & Stifer, 1998)
Vergessen wir nicht
Folgendes (Thomson): Eine der dramatischsten Veränderungen
geschieht im ersten Augenblick der Empfängnis. Die primitive
Zelle trägt den Bauplan für ein Individuum, das nie zuvor
existiert hat und nie wieder existieren wird. Während es im
Mutterleib ist, macht es die wichtigsten Erfahrungen seines
Lebens, weil nahezu jede davon Bedeutung auf Leben und Tod hat.
Damit hätte sich Freud befassen sollen, als er seine Theorie der
Psychoanalyse entwickelte. Hier liegt das tiefe Unbewusste; ein düsterer
Ort ohne Ausgang und Worte. Biologische Reaktionen dominieren. Um
wiedererleben zu können, müssen wir alle unsere physiologischen
Prozesse einschließen, nicht nur zerebrale Erinnerung. Der erste
Schritt besteht darin, diese Fakten anzuerkennen; ein viel
schwierigerer Schritt ist, eine Therapie für sie zu gestalten.
Ich denke, das haben wir getan.
Einer der Schlüsselfaktoren
bei hohem mütterlichen Kortisolspiegel ist die erhöhte
Wahrscheinlichkeit, dass das Baby verloren wird; oder zumindest
eine Frühgeburt. Noch einmal: Dieser erhöhte Kortisolspiegel
geht auf das fetale System über und verändert das Baby auf eine
Weise, über die wir noch lernen. Babys, die von deprimierten Müttern
geboren werden, haben höhere Kortisolspiegel als normal. Hier
folgt, was Lauren Kaplan und Kollegen darüber zu sagen haben:
„Die In-utero-Umwelt formt das einzigartig plastische fetale
Gehirn, was zu Langzeitmustern der Fehlanpassung von Verhalten und
Physiologie führt.“
Lauren
Kaplan, et al., „Effects of Mothers’s Prenatal Status and
Postnatal Caregiving on Infant Biobehavioral Regulation.“ Early
Human Dev. 2008 April; 84 (4) 249-256)
Was Forscher jetzt immer
wieder sagen, ist, dass die Zeit im Mutterleib das Leben des
Nachwuchses unabänderlich beeinflussen kann. Und nicht nur das
Verhalten wird geändert sondern ebenso die Physiologie. Bedeutet
das eine Änderung in der Primärtheorie? Absolut, es zieht die
Decke viel weiter und früher zurück hinsichtlich des Zeitpunkts,
an dem Einprägungen beginnen und hinsichtlich ihrer
weitgestreuten Dauerwirkungen. Es bedeutet, dass die Art und
Weise, wie das Geburtstrauma umgesetzt wird und wie darauf
reagiert wird, von früheren Lebensumständen abhängt.
Informationen häufen sich
jetzt, da die Forschung beharrlich in ein bisher unerforschtes
Gebiet vordringt. In der BMJ vom 14. November 1998 gibt es einen
Artikel von Marc Bygdeman und B. Jacobson mit dem Titel
„Obstetric Care and Proneness of Offspring to Suicide as
Adults“ (Fallkontrollstudie, Seite 1346-49, siehe BMJ Vol. 317,
Webseite: www.bmj.com), der
behauptet, dass „bestimmte Individuen durch einen Prägungsprozess
unbewusst während des Selbstmord-Akts eine traumatische Situation
schaffen, die eine Empfindung erzeugt, die der während der Geburt
erlebten ähnelt.“ (Seite 1346) Das könnte ein Zitat aus einem
meiner Bücher sein (und tatsächlich war einer der
wissenschaftlichen Mitarbeiter ein Student von mir). Was sie
herausfanden, war, dass jene, die Selbstmord auf gewaltsame Weise
begingen, öfters während der Geburt Komplikationen ausgesetzt
waren. Eigenartigerweise hatten diejenigen Mütter, die betäubt
worden waren, keinen Nachwuchs, der Selbstmord beging. Aber da
gibt es den Zusammenhang, dass der Erwachsene vielleicht mit größerer
Wahrscheinlichkeit drogenabhängig wird. Die Folgerung scheint zu
sein, das während der Geburt verabreichte Opiate die Wucht des
Traumas reduzieren und von daher mit geringerer Wahrscheinlichkeit
Individuen schaffen, die zu Selbstmord neigen.
Meine Theorie behauptet
Folgendes: Wenn in der Gegenwart ein Auslöse-Effekt durch eine
gewisse Hoffnungslosigkeit besteht, die an sich nicht überwältigend
ist, kann sie mit einer früher während der Geburt eingeprägten
Hoffnungslosigkeit resonieren und einen Selbsmordversuch in Gang
setzen; weil sie nicht nur das traumatische Originalgefühl auslöst
sondern auch alle Umstände drum herum. Somit bedeutet Selbstmord
den Versuch, der Agonie eine Ende zu setzen. Und wenn die Mutter
Betäubungsmittel erhielt, um ihren Schmerz zu lindern, linderte
das auch zugleich das Leiden des Babys. Also greift man später zu
Drogen, um Schmerz zu lindern; eine Wiederholung des früheren
Ereignisses.
Der Grund, warum die
aktuelle Psychotherapie so versagt hat, liegt darin, dass die
Faktoren, die gegenwärtiges Verhalten erzeugen, weit, weit früher
zurückreichen als wir uns hätten vorstellen können. Für den
Patienten ist es gefährlich, wenn man all diese Forschung
ignoriert, weil es bedeutet, dass er wenig Chancen hat, suizidale
Gefühle (und vielleicht Selbstmord) ohne dieses Verständnis
aufzulösen. Somit kann es für den Patienten eine Angelegenheit
auf Leben und Tod bedeuten.
Ich möchte die Rolle der
Serotonin-Produktion im Fetus betonen. In den ersten paar Monaten
der Schwangerschaft erfüllt der Fötus seine Serotonin-Quote
nicht. (Dieser Neuro-Saft wirkt oft wie eine schmertötende
Droge.) Er muss sich etwas von der Mutter „borgen.“ Das heißt,
angenommen sie hat einen entsprechenden Vorrat, was bei chronisch
deprimierten und ängstlichen Müttern nicht immer der Fall ist.
Wenn sie ihn nicht hat, dann kann der Fötus nicht zur Apotheke
gehen und sich etwas ausleihen. Der Vorrat der Mutter kann gering
sein, wenn sie chronisch von Depression oder Angst beeinträchtigt
wird oder wenn die Umstände ihrer Schwangerschaft unglücklich
oder bedrückend sind. Das System prägt dieses Ereignis ein und
ändert dann auf Dauer alle möglichen Sollwerte, einschließlich
die des Serotonins. Ein niedriger Wert der Substanz bleibt als
Erinnerung fixiert; er ist ein Aspekt der gesamten
Erinnerungs-Erfahrung. Das ist zum Teil die Grundlage für spätere
frei fließende Angst oder für Depression – ein anscheinend
geheimnisvoller Zustand, der einen ohne sichtlichen Grund befällt.
Diese Leiden treten auf, weil ein systemischer Mangel an
geeigneter Verdrängung herrscht (Serotonin ist im Grunde ein
Schmerz-/Gefühls-Unterdrücker). Niemand kann das sehen; und in
der Tat wird es niemand sehen, bis der ständig nagende Schmerz
ein ernsthaftes Symptom produziert. Dann wird der Mensch wegen des
Symptoms behandelt, während er im Grunde derselbe bleibt. Das
System ist immer bereit, ein anderes Symptom auszuspucken. Es gibt
einen großen Unterschied zwischen der Behandlung des Menschen und
der Behandlung eines Symptoms. Symptome sind idiosynkratisch; zu
Grunde liegender Schmerz ist einfach das – zu Grunde liegend.
Mangel an Körperkontakt erzeugt ähnlichen Schmerz unter
denjenigen, die nicht berührt wurden; wo dieser Schmerz sich
niederlässt, ist eine individuelle Angelegenheit; bei einigen im
Verhalten, bei anderen in körperlichen Symptomen. So kann jemand,
während er aufwächst, immer ein Gefühl von Verhängnis und
Untergang verspüren aber nie wissen, wie früh dieses Gefühl
begann oder was es verursachte.
Um es zu wiederholen: Das
Leben im Mutterleib hinterlässt eine Erinnerungsspur an ungebändigten
Schmerz (angenommen es gab welchen). Die Person scheint mit
fragiler Abwehr geboren worden zu sein, und wir fragen uns
vielleicht, wie das geschah, weil doch eine liebevolle, fürsorgliche
Familie um sie herum war. Dennoch kann bereits die leichteste körperliche
Kränkung bei dieser Person schädliche Wirkung erzeugen. Die
Einprägung ist die einer ungebändigten Angst, die jemanden später
im Leben mit Panik- oder Angstattacken zurücklässt. Die körperliche
Entwicklung kann unzureichend sein, weil chronisch niedrige
Serotoninwerte bekanntermaßen das Körperwachstum beeinträchtigen.
Serotonin ist so essentiell wie Nahrung; es ist Nahrung für den Fötus.
Oft sehen wir bei solchen Individuen das, was in den frühen Tagen
der Psychiatrie als Hysterie bezeichnet wurde. Sie sind leicht zu
verletzen, weil sie eine unzulängliche Abwehr haben; und sie übertreiben
ihre Reaktionen, weil es in ihnen einen siedenden Kessel voller
Angst und Schmerz gibt, der an die Oberfläche drängt. Ihre
Reaktionen sind unangemessen, weil sie immer auf einer schweren,
dichten Schmerzlast sitzen.
Wir wissen jetzt, dass eine
schwierige Geburt das Baby eines angemessenen
Serotonin-/Hemmungs-Niveaus berauben kann. Später haben alle möglichen
impulsiven Neurotiker –Kriminelle, Süchtige – niedrige
Serotoninwerte und offensichtlich niedrige Hemmschwellen. Ich
glaube nicht, dass wir, was nachteilige Wirkungen auf Serotonin
betrifft, bei der Geburt aufhören müssen. Es kann auch in den
letzten paar Monaten der Schwangerschaft geschehen, wenn Serotonin
angemessen zu funktionieren beginnt. Noch einmal: Viele meiner
Patienten haben zu Beginn der Therapie niedrige Serotoninwerte,
normalisieren sich aber nach einem Jahr; folglich ist es ein
umkehrbares Phänomen. (Für eine volle Diskussion dieses Punktes
siehe mein Primal Healing. Es geht nicht nur um Serotonin;
es gibt jetzt umfangreiches Forschungsmaterial, das zeigt, dass
aufgrund eines Traumas bei oder vor der Geburt die Anzahl
neokortikaler inhibitorischer präfrontaler Neuronen niedrig
ist. Das sind schlechte Verdränger von Geburt an. Diese
Individuen können nicht warten, verlieren die Geduld, haben
Aufmerksamkeitsmangel-Störungen, schlagen bei geringer
Provokation um sich und wollen, was sie wollen, JETZT! Sie
unterbrechen, weil sie nicht warten können, bis sie mit dem Reden
an der Reihe sind. All das bedeutet, dass wir mit einer Tendenz zu
ADD geboren werden können. Es ist nicht die Erbmasse, sondern es
sind die Erfahrungen während des Lebens im Mutterleib, welche
sich auf diese Erbmasse auswirkten. Es scheint, als würden würden
wir damit geboren, aber meistens ist es nicht so.
Ziehen wir jetzt die Decke
noch weiter zurück.
In einem kürzlichen
Experiment zog ein Wissenschaftler einige Ratten auf, nachdem er
einige der Bausteine für Serotonin (das Schlüsselelement in
Prozac und der Schlüssel für Schleusung und Verdrängung)
ausgeschaltet hatte. Die Tiere hatten nicht die nötigen Mittel,
um eine Serotonin-Struktur aufzubauen. (Wir nennen das Schleusung;
was nichts anderes ist als Schmerz chemisch zu blockieren, so dass
die Leidensbotschaft nicht voll zu Bewusstsein kommt.) Dann ließ
er die Weibchen reifen, schwanger werden und Babys haben. Von den
43 getesteten Mausembryos zeigten 37 Anomalien und
Gehirnfehlfunktionen. Das deutet darauf hin, dass der Zustand der
Tiermutter die Entwicklung des Babygehirns beeinflusst. Ihr
Serotoninspiegel kann bestimmen, wie ihr Nachwuchs heranreift.
Wenn also eine Schwangere chronisch deprimiert ist und folglich
niedrige Serotoninwerte hat, kann das ganze Leben des Babys
nachteilig beeinflusst werden. Und die Veränderung in ihm als
Ergebnis der „Vererbung“ werden bestimmen, welche Art von
Mutter der Nachwuchs sein wird. Die Umwelt der späteren Kindheit
zählt viel, aber nicht so viel wie die Zeit, wenn das Babygehirn
sich schnell
entwickelt. In der Schwangerschaft ist es wesentlich, dass die
Mutter in jeder möglichen Hinsicht normal ist. Andernfalls kann
sie die Bedürfnisse ihres Babys im Mutterleib nicht erfüllen.
Und eine Definition von Liebe ist dabei zu helfen, die Bedürfnisse
des Kindes zu erfüllen. Keine Bedürfniserfüllung – keine
Liebe.
Sehr wichtig für uns ist
die Erkenntnis, dass ein Mäusefetus vor dem dritten Trimester
kein eigenes Serotonin herstellt. Es scheint, dass die Mutter zur
Verfügung stellt, was gebraucht wird, bis das Baby übernehmen
kann. Aber wenn die Mutter wenig Vorräte hat, kann sie nicht erfüllen,
was dem sich entwickelnden Baby fehlt. Folglich trägt das Baby
eine Schmerzlast mit sich herum. Wenn wir das jetzt auf Menschen
anwenden, scheint es in der Schwangerschaft eine Zeit zu geben, in
der Schmerz oder schädliche Stimuli einwirken, wir aber noch
nicht fähig sind, genug von unseren eigenen Schleusungs-Chemikalien
zu produzieren, was zu ungeschleußtem Schmerz führt. Dieser Rückstand
wird fortbestehen und kann später im Leben zu Angstattacken führen.
Er wird zu frei fließender Furcht oder zu Terror. Das ist nicht
auf Vererbung zurückzuführen sondern vielmehr auf Erfahrung im
Mutterleib. Deshalb sollten wir das Leben im Mutterleib nie
vernachlässigen, wenn wir uns mit Neurose befassen. Ein Teil
unseres in-utero-Lebens nimmt es folglich mit Schmerz auf, und das
zu einer Zeit, wenn unser System nichts dagegen machen kann.
Nichtsdestotrotz beeinflusst er jede spätere Entwicklung. Mit 30
leiden wir vielleicht unter einer Panik-Attacke (als exzessive
Agitation), die ihr Leben in den ganz frühen Monaten der
Schwangerschaft unserer Mutter begann. Sie ist ursprünglich und
frei-fließend, bereit hervorzuspringen, wann immer wir
verletzlich sind oder unsere Abwehr schwach ist. Keine Gesprächstherapie
kann da eine Delle hineinschlagen. Sie macht uns ein Leben lang
fragil, so dass uns jede Verletzung in der Säuglingszeit und
Kindheit umso mehr schwächt. Zum Beispiel können fordernde
und/oder reservierte Eltern eine Allergie-Tendenz leicht verstärken.
Catherine Monk und ihre
Kollegen untersuchten Angst bei schwangeren Frauen. (Monk,
C. et al., « Effects of Women’s Stress-Elicited
Physiological Activity and Chronic Anxiety on Fetal Heart Rate. »
Developmental and Behavioral Pediatrics, 2003. Lippincot
Publishers. Ihre Scglussfolgerung lautete: “Die
emotionsbasierte physiologische Aktivität von Frauen kann den
Fetus beeinflussen und ist vielleicht für die fetale Entwicklung
wichtig.“ Zu denken, dass es eine signifikante physiologische
Veränderung gibt aber keine spätere psychische, würde bedeuten,
das menschliche Gehirn zu ignorieren.
Kommen wir jetzt zu den
anhaltenden Effekten des Vorgeburts- und Geburtstraumas: Alyx
Taylor hat gezeigt, dass die Stressreaktion des Babys auf eine
Impfung im Alter von acht Wochen weitgehend vom
„Entbindungsmodus“ des Neugeborenen bestimmt wurde.
Diejenigen, welche am meisten reagierten, wurden durch
Geburtshilfe entbunden. Kaiserschnitte zeigten die geringste
Reaktion. Das zentrale Forschungsergebnis war, dass die
Stressreaktions-Schaltkreise (HPA-Kreis) im Gehirn bestimmen
helfen, wie ein Baby auf zukünftigen Stress reagieren wird.
Ich werde jetzt nicht alle
möglichen relevanten Untersuchungen zitieren, aber ein solcher
Artikel ist ein Überblick über viele miteinander verwandte.
Nicole Talge und ihre Kollegen überblickten die Daten
hinsichtlich dessen, was mit den Babys gestresster Mütter
geschieht. („Antenatal
Maternal Stress and Long-Term Effects on Child Neurodevelopment.
How and Why.” Journal of Child Psychology and Psychiatry.
48:3/4 4 (2007) pp 245-261.)
Nahezu alle Studien
postulieren einen Effekt der Mutter auf den Fötus. Ich behaupte,
die wirkliche Frage lautet: „Was können wir dagegen tun?“
Jahre später scheint das eine unmögliche Aufgabe, aber sie ist
es nicht. Wenn es ein eingeprägtes Trauma während der Zeit im
Mutterleib gibt, verschließt sich das Gehirnsystem über dem
Schmerz durch Hemmung/Schleusung. Hinterher bestehen die
Wirkungen lebenslang.
Das Beste, das man danach
tun kann, ist, das Symptom zu behandeln. Um die Ursache zu
behandeln, müssen wir zu der ursprünglichen Quelle zurückgehen
und das Trauma ungeschehen machen. Wir machen das, indem wir das
Trauma wiedererleben und die Schleusen öffnen. Es ist, wie ich
an anderer Stelle erklärt habe, dadurch machbar, dass wir
emotionale Traumen in der Kindheit wiedererleben, die ihre Wurzeln
in vorgeburtlichen Ereignissen haben. Wenn wir das
Kindheits-Ereignis voll wiedererleben, schließt es das frühere
Trauma mit ein; jedes neue verwandte Trauma wird auf höheren
Ebenen re-repräsentiert. Und wenn diese späteren Traumen
wiedererlebt werden, sehen wir das Verschwinden (oder Reduktion
der Stärke) des Symptoms, wie z.B. hoher Blutdruck. Das ist
deshalb so, weil das frühere Trauma nur durch spezifische
physiologische Reaktionen wie Blutdruck oder Herzschlag ausgedrückt
werden kann. Das Wiedererleben physiologischer Reaktionen kann
ausreichend sein, wenn andere Variable gegeben sind. Wenn wir uns
in unserer Therapie mit dem verwandten Kindheits-Feeling verknüpfen,
schließt es automatisch die frühere physiologische Komponente
des Feelings mit ein (vorausgesetzt die Person hat tieferen
Zugang). Ich möchte wiederholen, dass es einen Zeitplan von Bedürfnissen
gibt, die zu der Zeit und keiner anderen befriedigt werden müssen.
Ist der Fötus einmal von der Wirkung eines hohen
Stresshormon-Spiegels betroffen, ist die Sache gelaufen; das
System schleust es, so gut es kann, und keine andere
Behandlungsart außer Wiedererleben kann es ändern.
Das ist eine Änderung in
unserem Paradigma. Es bedeutet, dass ein Trauma, das lebenslange
Auswirkungen hat, während des Lebens im Mutterleib geschehen kann
und danach tiefgreifende Wirkung auf unser späteres Verhalten und
auf Symptome hat. Wie also sollte es uns möglich sein, gegen
Allergien, Migräne und hohen Blutdruck vorzugehen ohne
Anerkenntnis der tiefen und weit entfernten Ursachen des Problems?
Ich schreibe seit Jahrzehnten darüber. Der Unterschied ist, dass
die Forschung jetzt nachgezogen hat und anfängt, unsere Theorie
zu bestätigen. Und jetzt sehen wir, warum es nach einem Jahr
unserer Therapie zu einer Normalisierung natürlicher Killerzellen
kommt; wie ich betont habe, sind das Zellen auf der Suche nach
sich neu formierenden Krebszellen, und sie attackieren diese.
Somit könnten wir sagen, eine Möglichkeit Krebs vorzubeugen
besteht darin, sicherzustellen, dass unser Immunsystem intakt und
stark ist. Obgleich ich umfassend über den Wert und die
Wirksamkeit des Wiedererlebens in vielen Büchern geschrieben
habe, unterstützt die Forschung erst jetzt diesen Standpunkt. Von
der News in Science (4. Juni 2008) stammt diese Aussage:
„Das Archives of General Psychiatry ist das jüngste
Journal, das den Wert der sogenannten anhaltenden
Aussetzungstherapie (Wiedererleben) für die posttraumatische
Stressstörung (PTSD) zeigt.“ Die Untersuchung betraf
Individuen, die als PTSD klassifiziert wurden und drei
unterschiedliche Therapiearten erhielten. Eine war kognitive
Neustrukturierung (Denkmuster ändern). Die zweite war
Wiedererleben. Das letzte Drittel bekam keine Form von Therapie.
Wiedererleben wird hier definiert als Prozess, bei dem man
anhaltend dem Problem ausgesetzt wird, das den Zustand ursprünglich
verursacht hat. Die Ergebnisse waren, das ein Drittel der
Langzeit-Aussetzungsgruppe PTSD entwickelte. Nahezu zwei Drittel
der kognitiven Gruppe bekamen PTSD, während nahezu 80 Prozent der
Nicht-Therapie-Gruppe als PTSD diagnostiziert wurden. Sechs Monate
nach der Therapie war wiederum ein Drittel der
Wiedererlebens-Gruppe PTSD, während die kognitive Gruppe bei 63
Prozent lag. Die Forscher fassten wie folgt zusammen: „Die
aktuellen Befunde legen nahe, dass die direkte Aktivierung von
Trauma-Erinnerungen besonders nützlich ist für die Verhinderung
der PTSD-Symptome“ Sie betonen, dass PTSD in den ersten paar
Monaten nach dem ursächlichen Trauma nicht einsetzt. Der einzige
Unterschied zu meiner Theorie ist, dass die Traumen weit früher
als erwartet geschahen. Mittlerweile betonen sie, dass es einen
„wachsenden Trend“ zur Aussetzungstherapie gibt. Kann sein,
dass alle unsere Anstrengungen in den letzten 40 Jahren nicht
vergebens waren.
Hier folgt, was Alexander
Jones und Kollegen über seine Erforschung des vorgeburtlichen
Lebens gesagt haben: („Fetal Growth and the Adrenocortical
Response to Psychological Stress“ , Jones et al., J. Clin. Endoc.
Metabolism. Feb. 7, 2006 10: 1210/jc. 2005-7)
Ich gebe den Text frei
wieder, um den wissenschaftlichen Fachjargon ein wenig verständlicher
zu machen: Tierstudien zeigen, dass die Stressreaktion die
Sollwerte mehrerer Hormonsysteme ändert; und das wird später
Auswirkungen haben hinsichtlich der Art, wie wir später auf eine
harte Umwelt reagieren. Ein
Bericht von K.L. Thornburg und S. Louey („Fetal Roots of
Cardiac Disease.” Heart 2005; 91: 867-868) erörtert,
wie Stress beim Fetus später im Leben zu Herzkrankheit führen
kann. Wenn das Neugeborene untergewichtig ist (was oft ein Hinweis
auf widrige Ereignisse im Mutterleib ist) besteht später im Leben
eine größere Tendenz zu Problemen im Endothelium (die
Auskleidung des Herzens). Es gibt Hinweise, dass Sauerstoffmangel
während der Schwangerschaft außerdem ein weiterer traumatischer
Faktor ist, der das Herz beeinflusst. Wann immer wir das
Endothelium gefährden, riskieren wir Herzprobleme, das trifft
offensichtlich auf Beschädigung während der Schwangerschaft zu.
Es leuchtet ein, dass pränatale Traumen generell allumfassend
sind; wir sollten Schaden nahezu überall finden, wo wir hinsehen.
Das Problem ist, dass wir ohne eine allumfassende Theorie, die uns
anleitet, wohin wir schauen müssen, niemals Herzattacken mit 50
mit einem Trauma im Alter von minus sechs Wochen zusammenbringen würden.
Ich gelangte vor Jahren dorthin aus der Beobachtung heraus, die
auch ein gültiger Teil der wissenschaftlichen Methode ist. Die
Forschung hilft jetzt, das Ganze zu bestätigen.
Es gibt mehrere Studien,
die fetale Hypoxie (reduzierten Sauerstoff) untersuchten, und das
Ergebnis scheint systematisch schwere emotionale Krankheit später
im Leben zu sein. (Siehe:
„Behavioral Alterations in Rats Following Neonatal Hypoxia
and Effects of Clozapine.” Fendt.
M. et el. Pharmacopsychiatry
Jul, 2008 ; 41 (4) 138-45) (Siehe auch : « Decreased
Neurotrophic Response to Birth Hypoxia in the Etiology of
Schizophrenia.“ T.D. Cannon, et al., Biological
Psychiatry, Vol 64, Issue 9 Nov, 2008. s. 797-802) Es gibt immer
mehr Informationen über die später krank machenden Effekte von
Traumen bei der Geburt und zuvor. Es ist unsere Pflicht als
Menschen, die damit betraut sind, psychisch kranke Patienten zu
heilen, dass wir das untersuchen. Ohne dieses Verständnis wissen
wir nicht, wohin wir schauen sollen, um Patienten zu heilen. Die
Information ist da draußen; es liegt an uns in den den
Heilberufen, sie aufzuspüren.
Die Frage ist: „Warum
Hypoxie bei Schizophrenie? Es gibt mehrere Erklärungen. Was ich
immer wieder beobachtet habe, ist, dass der Fetus in Gefahr ist,
an Sauerstoffmangel zu sterben und dann nicht die Mittel hat, das
Trauma zu bekämpfen (z.B. eine rauchende Mutter). Mangel an genügend
Sauerstoff ist ein schrecklicher Stressor. Wenn der Zustand anhält,
zeichnet sich der Tod ab. Des Weiteren lässt er den Fetus und das
Baby mit Ressourcen zurück, die nicht ausreichen, um zukünftigen
Stress zu bekämpfen. Die Gefahr bleibt als Grundschicht, so dass
jedes spätere Trauma sie auslösen kann; deshalb kommt es zu
Atmungsproblemen. Somit sind Angstreaktionen auf anscheinend
nicht-toxische Situationen übertrieben und entsprechen nicht der
Schwere der gegenwärtigen Situation. Sie haben einfach den
Beinah-Tod im Mutterleib wieder aufgeweckt. Es geht nie darum,
Verhalten zu ändern, wie die Anhänger der kognitiven Therapie es
gerne hätten; es geht darum, was diese Verhaltensweisen zuerst
geformt hat.
Ich habe in meinen anderen
Werken die Auffassung vom „kritischen Fenster“ diskutiert; das
ist einfach jene Zeit im Leben, in der und keiner anderen Zeit Bedürfnisse
erfüllt werden müssen. Wir können ein Kind im Alter von zehn
Jahren den ganzen Tag herzen, aber das wird den fehlenden Körperkontakt
in den ersten vier Lebensmonaten nicht beseitigen, der das gesamte
System deregulierte und ein Vermächtnis innerlich eingeprägten
Schmerzes hinterließ; ein Schmerz, für den man ständig Schmerztöter
nehmen muss. Und es bleibt ein Geheimnis für die liebevollen
Adoptiveltern, die das Kind im Alter von 12 Wochen aus einem
Waisenhaus aufnahmen.
Es gibt keinen anderen Weg,
diesen Mangel auszugleichen, als zurück zu gehen und das
Originaltrauma wieder zu erleben. Es gibt keine Möglichkeit,
dieses Defizit „wettzumachen,“ so sehr wir uns das auch wünschen.
Es setzt sich fest in Form veränderter biologischer Sollwerte.
Wir können den dadurch angerichteten Schaden (Nierenleiden)
behandeln, nicht aber seine Ursachen. Das gesamte Nervensystem
muss sich in die Zeit zurückziehen, als das Trauma geschah; es
kann nie eine Sache des „Sich-Erinnerns“ sein. Es muss
organische und systemische Erinnerung sein. Das heißt, ein Teil
der präzisen Erinnerung liegt in diesen neuen Sollwerten. Und sie
sind alle eng damit verbunden, wie sie sich zuerst entwickelt
hatten.
Es gibt ein kritisches
Fenster für gesund funktionierende Nieren. Es ist irgendwann im
letzten Trimester der Schwangerschaft, dass sich die meisten
Nierenzellen (Nephronen) entwickeln (bis zur 36sten Woche).
Nephronen-Entwicklung beginnt gleich nach der achten Woche. Ein
Trauma hier, wie subtil auch immer, kann auf spätere
Nierenkrankheit hinauslaufen, ohne offensichtlichen direkten
Grund. Wenn der Schaden einmal angerichtet ist, können wir nur
seine Symptome behandeln (es sei denn, wir befassen uns mit dem
Ursprung).
Physiologische Reaktionen
sind die Basis für spätere Gefühle. Was diese physiologischen
Reaktionen verzerrt, wird letztlich ebenso psychische Reaktionen
verzerren. Wenn das System aufgrund eines frühen Traumas
hochgradig aktiviert ist, haben wir mit hoher Wahrscheinlichkeit
ein hyperaktives Individuum, das nach Projekten sucht, um sich
selbst aktiv und beschäftigt zu halten. Wenn Dopamin und andere
Alarm-Chemikalien knapp bemessen sind, haben wir vielleicht später
jemanden, der phlegmatisch ist und sich Gründe ausdenkt dafür,
dass er nichts macht und nichts durchzieht. Es ist kein
Eins-zu-eins-Verhältnis, aber wir können sehen wie die Plattform
der Physiologie schließlich unsere Psychologie lenken wird. Wenn
wir nicht alle mobilisierenden Chemikalien haben, die wir
brauchen, ist klar, dass der Erwachsene, um die Dinge
ego-syntonisch (angenehm für die Person) zu halten,
rationalisiert, warum er es nicht versucht und warum er nicht
durchhält.
Man kann sich zurecht
fragen, wie man Ereignisse im Mutterleib ohne Szenen oder Worte
wiedererleben kann. Glücklicherweise ist dieser Teil der Einprägung
total physiologisch. Wir brauchen keine verbalen Bekenntnisse.
Dieser tiefe Hirnstamm ist auch ein sehr wichtiger Teil unseres
Zentralnervensystems und gibt einem Feeling den nötigen Kick oder
Schub. Ein einziges Feeling umfasst alle drei Ebenen der
Gehirnfunktion. Es sei noch einmal gesagt, dass es hier keinen
anderen Ausweg gibt, als in die tiefsten unbewussten Zustände
einzutauchen, was sich dialektisch und automatisch in volles
Bewusstsein umwandelt. Denken sie daran, dass jede Ebene ihr
eigenes Bewusstsein hat und ihren eigenen Beitrag leistet. Wenn
wir dort unten ankommen, kommunizieren wir mit einer Ebene, die
ihre ganz eigene Identität hat. Eine Ebene ist reiner Instinkt,
eine andere reines Gefühl und wieder eine andere reiner Gedanke.
Setze sie alle zusammen, und wir bekommen reines Fühlen. Eine
Therapie des Fühlens muss alle Bewusstseinsebenen in Betracht
ziehen. Und jede richtige Psychotherapie muss verstehen, dass man
schließlich scheitert, wenn man sich allein mit der jüngsten
obersten Ebene des Denkgehirns befasst. Es sind überwältigende
Gefühle/Schmerzen, welche die Probleme (sagen wir Sucht) anfangs
verursacht haben. Wenn wir die Gedanken ‚entkleiden’, ihnen
die Gefühle nehmen, bekommen wir jemanden, der ein Psychopath
sein könnte; der die Handlungen des Menschlich-Seins vollzieht,
aber ohne Menschlichkeit. Je tiefer wir ins Unbewusste gehen, umso
bewusster werden wir. Wenn wir in der Therapie auf andere
Bewusstseinsebenen ( die man als Unterbewusstsein betrachtet)
hinabsteigen, sind wir in einer eigenartigen Dialektik zugleich
unbewusst und bewusst. Wenn wir hinabsteigen, wird das Unbewusste
automatisch bewusst – an diesem Punkt können wir schließlich
unserem Schöpfer begegnen – uns selbst.
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Übersetzung:
Ferdinand Wagner