Der
Depressive ist im Großen und Ganzen ein Parasympath – jemand,
dessen Gesamtsystem zu diesem (parasympathischen) Teil des
Nervensystems hin verschoben worden ist. Diese Unterabteilung des
Nervensystems wird vom Hypothalamus kontrolliert. Es ist ein
System der Ruhe, Entspannung und Reparatur, ein System, das gewöhnlich
Untersekretionen produziert. Es ist das System, das sich aus der
„Gefrier“-Reaktion bei Tieren entwickelt hat, die sich mit der
Zeit entwickelte, um die Fähigkeit zu hemmen, eine unmittelbare
und aggressive Reaktion auf Gefahr zu vollziehen. Manchmal besteht
die beste Verteidigung darin, nichts zu machen oder wenigstens
einen Moment lang zu überlegen, bevor man reagiert. Ein Schlüssel-Marker
dafür ist die Körpertemperatur, die universell bei diesen
Patienten nahezu immer niedrig ist und vom parasympathischen
Nervensystem kontrolliert wird. Sie spricht von einem Geburts-
oder Vorgeburtstrauma, welches das System in Richtung Passivität,
Verzweiflung, Niederlage und Reaktionsunfähigkeit verschoben hat.
Danach kontrolliert es unser Verhalten und unsere Symptome. Migräne
ist zum Beispiel oft Teil dieser Systemreaktion: ein Verschließen
(Konstriktion) der vaskulären Blutzirkulation, gefolgt von einer
massiven Erweiterung (Dilatation).
Wenn
man tiefe Gefühle, eingekapselte und weit entfernte Einprägungen
ignoriert, dann ist es leicht, sie bei der Behandlung von
Depression zu übersehen. Man hat dann keine andere Wahl, als
Vorschriften anzubieten. Dann kann man nur versuchen, die
aufwallende Kraft des Schmerzes zurückzudrängen, weil die Verdrängung
frühen Schmerzes zu keiner anderen Alternative führt. „Schau
auf die helle Seite“ ist eine religiöse Idee, die man ins Reich
der Psychotherapie verlagert hat. Die „Macht des positiven
Denkens“ überlässt man am besten der Kirche, weil unser System
auf die dunkle Seite „schaut,“ so sehr wir auch auf die helle
Seite schauen wollen. Warum? Weil die eingeprägte Erinnerung
dunkel und schmerzvoll ist. Man kann sie jedoch erreichen und sie
ausmerzen. Ich habe meine Patienten so tief und weit wie möglich
in ihre Vergangenheit gebracht, und ich habe nie einen Dämon
oder eine dunkle Teufelskraft gefunden. Alles, was ich je sah, ist
abgesonderter Schmerz. Alles, was dort ist, ist reines Bedürfnis,
übriggeblieben aus der Kindheit, als diese Bedürfnisse hätten
erfüllt werden sollen.
Übersetzung:
Ferdinand Wagner