Ich
habe zwei akademische Grade auf dem Fachgebiet ‚Psychische
Gesundheit’. Trotz der ungefähr 12 Jahre Universität habe ich
fast nichts darüber gelernt, wie man Therapie macht. Es war immer
ein Verfahren auf gut Glück, nie eine Wissenschaft. Es war
„Mach’, was sich gut anfühlt für dich“, was einer Lizenz
gleichkommt, schrecklichen Mist zu fabrizieren. Weil Neurotiker
sich wohlfühlen mit neurotischen Zielen und neurotischen
Techniken; bestätigen kann das die kognitive Therapie, bei der
Intellektualität auf das Niveau eines Prinzips gehoben wird. Mühsame
Kopfarbeit, in eine Theorie umgesetzt. Die Ausbildung war nutzlos
und bedeutungslos und konnte niemandem helfen. Warum? Weil es
niemals eine Wissenschaft mit überprüfbaren Hypothesen war, die
man unter die Lupe nehmen konnte, um Dinge zu entdecken, die
unsere Techniken verbessern würden.
Ich
erhielt auch eine Fachausbildung an der ‚Freud Klinik des
Westens’, eine Art Meninger an der Westküste. Auch nutzlos. Ich
habe kein einziges wissenschaftliches Prinzip gelernt und auch
nicht, wie man die Therapie einem Wissenschaftstest unterzieht.
Der Grund war, dass es keine Wissenschaft gab und noch immer nicht
gibt – ausgenommen Primärtherapie. Wenn ich Ausbildung mache,
wissen alle meine fortgeschrittenen Therapeuten augenblicklich,
wann ein Fehler gemacht wurde; so präzise ist das. Und wir machen
auch wissenschaftliche Ausbildung, sodass wir uns alle der
wissenschaftlichen Methode bewusst sind. Unsere Ausbildung hört
nie auf. Sie geht über Jahre, weil so viel zu lernen ist. Wir
haben in Europa so viele Doppelblindstudien mit unseren Patienten
gemacht; und was habe ich herausgefunden? Keiner interessiert sich
dafür. Es ist das Syndrom: „Ich glaub’s nicht, auch wenn du
es beweist.“
Ist
das einfach Neid? Mag sein, aber wenn wir uns um Mittel für die
Forschung bemühen, weist man uns immer als unwissenschaftlich ab.
Unsere
Patienten sind immer unsere wissenschaftlichen
Versuchspersonen. Wir messen die Vitalfunktionen vor und nach
jeder Sitzung. Ich habe früher in meinem Blog über ihre
Bedeutung geschrieben. Wir haben das Immunsystem untersucht, die
Gehirnfunktion, das Hemmungs-/Serotonin-System, und so fort (siehe
Primal Healing für eine Diskussion von all dem). Aber für jene
Seelenklempner, die vom Linkshirn dominiert werden, ist die größte
Reise, die sie je unternehmen werden, die zum rechten Gehirn, und
das können sie leider nicht. Niemand kann es freiwillig. Wir müssen
die Schleusen zwischen den Hemispheren öffnen, und das braucht
Zeit und ernsthafte wissenschaftliche Therapie.
Wir
versuchen zu gewährleisten, das unsere Therapie mit der aktuellen
Physiologie und Neurologie übereinstimmt; Sie werden sehen, dass
ich viel darüber schreibe. Weil wir uns keine Therapie ausdenken
können, die sich darüber hinwegsetzt, wie das Gehirn
funktioniert; wenn man zum Beispiel glaubt, dass Gedanken Gefühle
ändern, wenngleich gerade das Gegenteil der Fall ist. Wir haben
in etwa eine Million Dollar für wissenschaftliche Zwecke
ausgegeben, wobei wir oft Außenstehende benutzt haben, die keine
Ahnung haben, was wir machen. Aber ich bin überzeugt, dass man
unsere Therapie allein durch diese Fakten nicht „beweisen“
kann. Sie muss dich in die Magengrube treffen. Und wen trifft sie
dorthin? Diejenigen, die leiden, die ihren Gefühlen nahe sind.
Jene, die es nicht schaffen, die ständig deprimiert und ängstlich
sind. Sie verstehen meine Theorie auf Anhieb und kommen aus 26 Ländern
zur Therapie. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein Buch von einem
kraushaarigen Seelenklempner lesen und 10.000 Meilen reisen würde,
um Hilfe zu bekommen. Aber sie tun es, und sie bekommen Hilfe. Sie
kümmern sich nicht um Statistik. Sie kümmern sich um ihre Gefühle
und ihr Elend. Wir sind die Therapie der letzten Zuflucht, eine
Therapie des Leids, in der Patienten endlich ihr Leid herauslassen
können.
Nahezu
jede gegenwärtige Therapie wirkt darauf hin, Gefühle zurückdrängen.
Ist das nicht merkwürdig? Gefühle müssen ausgedrückt werden,
und man stößt sie zurück. Das Ergebnis ist noch mehr Depression
und Angst, noch mehr Mit-anderen-nicht-zurechtkommen, noch mehr
Dysfunktion und später noch mehr ernste Krankheit. Und schlimmer
noch, sie haben die Statistiken, um ihre Sache zu beweisen, weil
es alles innerhalb der Definition dessen liegt, was Erfolg ist.
Und wenn sie sagen „bessere Sozialanpassung“ und
selbstdefiniertes „Sich-besser-fühlen“, dann ist das
unschlagbar. Weil nichts so grenzenlos ist wie Selbsttäuschung.
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Übersetzung:
Ferdinand Wagner