In
der N. Y. Times steht ein Artikel (13. Nov. 2010, „For Catholics,
Interest in Exorcism is Revived”) über einen ernsten Trend in der
Katholischen Kirche, der am Ende gar nicht so katholisch ist und obendrein
nicht ganz gesund. Bischöfe treffen sich, um zu erörtern, wie man mehr
Priester zur Ausführung von Exorzismus bereitstellen kann, weil die
Nachfrage so hoch ist. Der Klerus sagt, dass sie Hilfe brauchen, um
zwischen den Leuten zu unterscheiden, die behaupten besessen zu sein und
vielleicht Psychotherapie brauchen, und solchen Leuten, die behaupten
besessen zu sein und normal oder seriös sind und die Hilfe der Kirche
brauchen.
Die
Geistlichen glauben, dass nicht jeder, der einen Exorzismus will, wirklich
einen braucht: „Es hat nur einen Zweck in solchen Fällen, in denen der
Teufel beteiligt ist.“ Ich vermute, sie meinen Fälle, bei denen jemand
vom Teufel „besessen“ ist. Falls Sie das nun für verrückt halten,
denken Sie daran, dass so etwa 80 Prozent der Bevölkerung an den Teufel
glauben.
Lassen
Sie mich das also zurechtrücken. Jene, die von Himmel und Hölle besessen
sind, werden über diejenigen entscheiden, die vom Teufel besessen sind.
Nichts von all dem hat irgendjemand jemals gesehen, gefühlt oder berührt.
Es ist alles sozial sanktionierte Selbsttäuschung; definitiv alles. Aber
verurteilen wir das nicht voreilig. Ich glaube, die Leute wissen, dass
etwas Dunkles und Schmerzvolles da drin ist, aber sie wissen einfach
nicht, was es ist. Somit rotten sie es symbolisch aus, wenn die Gläubigen
schreien und brüllen, sich winden und wälzen und alles Mögliche machen,
außer das alles in Zusammenhang zu bringen, wodurch sie es wirklich
loswerden würden. Es sind ganz reale schlimme Dinge passiert, aber es ist
nicht der Teufel; es ist Schmerz, und der ist tatsächlich da drin und
muss raus.
Wir
dürfen das nicht zu schnell verurteilen, weil es nur wenig über das
hinausgeht, was die Elektroschock-Therapeuten und die Psychochirurgen auch
machen. Sie schlagen und wuchten es, schneiden’s heraus, machen alles,
außer zu lösen, was „es“ ist. Wenn sie alle, Geistliche und Ärzte,
wüssten, was da unten liegt, gäbe es keine Chirurgie, keinen Schock oder
Exorzismus. Sie alle unterstellen eine geheimnisvolle dunkle Macht, die
wie das „Es“ von Freud unergründlich und unveränderlich ist und
lebenslang andauert.
Und
ganz unbescheiden, wenn sie alle wüssten, dass es einen Weg gibt, ohne
Schock und/oder Chirurgie sicher in die Tiefe des Gehirn zu gelangen, dann
könnten sie das tun.
Und
wie um alles in der Welt kann ein Kirchenmann entscheiden, ob ein
Besessener psychisch gesund ist oder nicht gesund? Besessen bedeutet in
meinem Buch verrückt. Es ist, wie ich behauptet habe, eine Selbsttäuschung,
etwas, das nur im Kopf der Person existiert. Aber wenn man natürlich
glaubt, dass er/sie/es/sie existieren, dann hat man keine andere Wahl, als
der Besessenheit zuzustimmen. Und weil wir gerade dabei sind, ich vermute,
dass diese Kleriker, die Kinder missbrauchen, vielleicht besessen sind.
Wovon oder von wem? Von ihrer Kindheit und ihren Eltern. Sie scheinen
hilflos gegenüber ihrem kriminellen Handeln, mit dem sie Kinder zerstören.
Ihr Ausweg: Schieben wir es auf den Teufel. Wenn man es mit „Engeln und
Dämonen“ zu tun hat, ist man definitiv nicht in der Realität, außer
in der, die man sich selbst fabriziert. Man bezeichnet das als
einvernehmliche Bestätigung; ich glaube es, weil du es glaubst, und weil
wir alle es glauben, muss es wahr sein. Wunderbar!
Die
Priester behaupten, dass sie heilen können, nicht weil sie die Macht dazu
haben; die Macht kommt von Jesus. Also muss man jetzt an eine weitere
Abstraktion glauben.
Nun,
Sie sagen, die Auffassung vom Teufel existiert seit Tausenden von Jahren,
also muss da irgendwo ein Stück Wahrheit sein. Ja, die Wahrheit liegt in
den sehr frühen Einprägungen, die im Unbewussten existieren, uns unaufhörlich
antreiben und denen wir notgedrungen einen Namen geben müssen – der
Teufel. Ja, es gibt das Böse, von Menschen getan, und wenn wir nicht
wissen, dass Schmerz uns zur Grausamkeit treibt, dass gefühllose Menschen
so schlimm zu anderen sein können, dann können wir das nicht verstehen.
Ich
verstehe, dass die Kirche Ausbildung im Exorzismus macht, weil es viele
Seelenklempner gibt, die Ausbildung in Primärtherapie machen, obgleich
sie keine Ahnung haben, was sie ist, was die Wissenschaft dahinter ist; wo
alles, was man tun muss, schreien ist, gegen die Wände schlagen und
jammern. Also machen diese Psychotherapeuten im Namen der Wissenschaft und
Psychologie nichts anderes als Exorzismus.
Ich
habe Filme über Exorzismus gesehen, und ich habe Filme über die Holy
Rollers gesehen, die sich auf dem Boden wälzen und schreien und brüllen
und sich dann hinterher besser fühlen. Ich nenne das Abreaktion. Es ist
Primal ohne das Fühlen und ohne die Verknüpfung; aber es ist nahe dran.
Ich habe Patienten gesehen, die „in fremden Zungen“ reden, die in
einem fort sinnloses Zeug plappern, die aber Erleichterung erleben. Die
Kirche sagt, dass diejenigen, die das können, zweifelsohne besessen sind.
In meinen Gruppen lasse ich Patienten auf die Knie fallen, sich ganz nahe
sein von Angesicht zu Angesicht und plappern, aber ich will, dass sie
dadurch ohne Worte ihre realen Gefühle ausdrücken. Innerhalb von Minuten
gibt es Tränen und Schluchzen. Es ist eine sehr gute Technik. Wenn das
misslingt, lasse ich die Atheisten auf die Knie fallen und zu Gott beten
um das, was sie wirklich wollen; wieder Tränen und Schluchzen......und
wirkliche Bedürfnisse und wirklicher Schmerz. Sie sagen, der Versuchung
nachzugeben sei gewöhnlich das Werk des Teufels. Es ist nicht der Teufel,
es ist reines ungelöstes Bedürfnis und Schmerz. Wenn meine Patienten das
alles fühlen, verspüren sie keinen Drang mehr, sich der Versuchung
hinzugeben.
All
das, so behauptet die Kirche, bringt die alten Kirchenwerte zurück und,
wie ich vermute, „geistig-psychische Gesundheit.“ Verzeihung, wenn ich
widerspreche.
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