Ich
habe ausführlich über Verdrängung und ihre lebenslangen
Schadwirkungen geschrieben. Je mehr ich vom Leben sehe, umso mehr
verstehe ich, wie schädlich Verdrängung sein kann. Zuallererst müssen
wir begreifen, dass es für nahezu jeden Schmerz die angemessene
Verdrängung gibt. Und je früher und entlegener die Schmerzen
sind, umso größer ist das Maß der Verdrängung. Diese Schmerzen
rufen ihren Antagonisten ins Leben. Und je stärker die Verdrängung
ist, umso wahrscheinlicher kommt es zu Krankheit, Symptomen und
verringerter Lebenserwartung. Es ist nicht so sehr der Schmerz als
die Folgen seiner Verdrängung. Wir setzen einen Deckel auf eine
enorme Kraft; eine Kraft, die Ausdruck verlangt. Weil die
Schmerzvalenz immer größer wird, wenn wir die Evolutionskette
hinabsteigen, kann man spätere Krankheitsfälle unseren frühesten
Traumen zuschreiben. Denken Sie wieder daran, dass fehlende Bedürfniserfüllung
bereits seit unserer Zeit im Mutterleib ein Trauma begründet. Es
muss nicht offensichtlich sein; in der Tat sind es die weniger
offensichtlichen Traumen, welche die meisten Probleme verursachen.
Bislang werden sie leicht übersehen.
Je
mehr es bei dem Erlebnis um Leben oder Tod geht, umso schwerer ist
die Verdrängungslast; und das kann zu einem gleichermaßen
katastrophalen Leiden auf Leben und Tod führen. Das ist der
Grund, warum ich glaube, dass Traumen im Mutterleib und bei der
Geburt intensiv zu späterer Krankheit beitragen. Das ist nicht
einfach eine aus der Luft gegriffene Glaubensmeinung; es gründet
auf jahrzehntelanger Beobachtung an Patienten aus vielen
verschiedenen Ländern der Welt, ganz zu schweigen von einer Menge
Forschungsmaterial, das damit zusammenhängt.
Es
gibt eine zunehmende Zahl von Beweisen, die frühe (präverbale)
Traumen mit späterer Krankheit in Zusammenhang bringen. In meinem
Buch Life Before Birth zitiere ich Dutzende
wissenschaftlicher Studien, die darauf hinweisen, dass
Herzkrankheit, Schlaganfall und Krebs ihren Ursprung während der
Zeit haben, in der wir von unseren Müttern ausgetragen werden.
Die Forscher weisen nicht auf Verdrängung hin; es sind
Korrelations-Studien --
so viele Traumen bei der Geburt, so groß die
Wahrscheinlichkeit für diese oder jene Krankheit. Das sind
statistische Wahrheiten. Wir sind auf ein bisschen mehr aus; auf
biologische Wahrheiten. Wir wollen erklären, warum diese Symptome
später auftreten. Welche Methode könnte besser sein, als das
Unbewusste des Patienten zu sondieren?
Was
wir sehen, ist, dass die Reaktion umso übertriebener/unangemessener
ist, je früher das Trauma stattfindet. Dass Probleme bei der
schwangeren Mutter oft zu einem kranken Kind führen –
Nierenkrankheit, Migränen, Epilepsie, Unfähigkeit stillzusitzen,
Ängstlichkeit, etc. Dass diese Leiden auch von abweichendem
/neurotischem Verhalten begleitet werden, von hohem
Agitationsniveau, Konzentrationsmangel, schlechtem Schlaf und
vielen anderen Überlastungszeichen. Massive Verdrängung kann
meiner Ansicht nach zu erschütternder Krankheit wie Krebs führen.
Ich weiß, dass sie unser Leben verkürzen wird.
OK,
soweit stimmen wir alle zu. Was jetzt? Wir müssen die Verdrängung
mindern. Wie machen wir das? Wir attackieren den Schmerz, das heißt,
genau genommen „attackieren“ wir ihn nicht. Wir fühlen ihn,
so banal das auch klingt. So leicht geht das nicht, weil das
Abwehrsystem und die Verdrängung es nicht zulassen werden. Wir müssen
mit Evolution in umgekehrter Reihenfolge beginnen; wir fühlen
kleine gegenwärtige Schmerzen, begeben uns zur Kindheit, dann in
die Kleinkindzeit, dann zur Geburt und schließlich in die
Schwangerschaftszeit. Das kann man nicht von heute auf morgen
machen. Es dauert zuallermindest viele Monate. Aber wir können
nicht das Gesetz der Natur und Evolution außer Kraft setzen und
dabei hoffen, Patienten zur Gesundheit zu verhelfen. Somit ist
Rebirthing aus dem Spiel, Punkt! Genau so erzwungenes Weinen
oder Schreien oder Gegen-die Wand-Schlagen. Tatsächlich ist alles
Erzwungene falsch. Es ist ein sanfter Prozess, wenn man es richtig
macht; niemand wird in großen Schmerz gestürzt. Wir wissen, dass
Verdrängung automatisch einsetzt, weil das System das frühe
Trauma nicht akzeptieren und integrieren konnte. Wenn das System
reifer ist, können wir mehr Schmerz ertragen, aber wer
entscheidet, wann und wo? Das biologische System des Patienten natürlich.
Das
ist wunderbar! Nichts auszuknobeln; nichts vorauszusehen, kein
besonderes Ziel, das wir den Patienten setzen. Sie setzen sich
ihre eigenen Ziele; und
ihre Gefühle machen das für sie. Sie fühlen einen Schmerz, er löst
einen anderen verwandten Schmerz aus, und so fort. Auf Französisch
nennt man es ein ‚Engrenage’ (Getriebe). Es braucht Zeit, weil
wir bei den schwersten Schmerzen zuletzt ankommen, und deshalb lösen
sich die hartnäckigsten Symptome oder Verhaltensabweichungen
zuletzt auf; denn es sind die ganz frühen Traumen, welche die
dauerhaftesten Auswirkungen mit sich tragen. Wir können diese
Auswirkung über Gehirnwellen und Vitalfunktionen messen, und
ebenso über die Biochemie. Wir müssen nicht raten, was die
Auswirkung betrifft; sie findet sich direkt in den Vitalwerten.
Wir müssen nur wissen, wie wir sie interpretieren müssen. Was
also führt zu Selbstmordneigungen? Wenn wir ein Wiedererlebnis zu
einem Geburtstrauma oder frühen Kindheitstrauma sehen, wissen wir
es. Und der Patient berichtet uns von seiner (des Traumas) Kraft.
Bei
biologischen Wahrheiten ist soweit alles klar. Bei statistischen
Wahrheiten müssen wir eine Kontrollgruppe finden und raffinierte
Berechnungen anstellen. Und was finden wir? Eine Korrelation
zwischen dieser und jener Faktenreihe. Wir müssen nicht wirklich
viel denken, weil die Zahlen sagen, was wir wissen wollen. Es gibt
einen Unterschied zwischen statistischem Rechnen und wirklichem
Denken.
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Übersetzung:
Ferdinand Wagner
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