Albert
Einstein verbrachte die letzten Lebensjahre mit dem Streben nach
einer allgemeinen Feldtheorie; das heißt, er suchte nach etwas,
das erklären konnte, wie Gravitationsfelder und
elektromagnetische Felder sich überschneiden. Wie sie sich in
einer einzigen globalen Theorie umfassen lassen. Auch wir suchen
nach einer solchen Theorie, sodass wir nicht mehr jedem neuen
Symptom oder jeder neuen Krankheit hinterherlaufen müssen, als
sei sie von allen anderen unabhängig. Das trifft besonders zu,
wenn es um psychische und psychosomatische Krankheiten geht. Was
offensichtlich sein sollte, nämlich dass sich Neurologie,
Psychologie und Biologie im menschlichen Körper überschneiden,
scheint in den fragmentarischen Ansätzen dieser drei Disziplinen
vergessen worden zu sein. Um diese Krankheiten zu verstehen, müssen
wir deshalb den Körper als interagierendes System auffassen. Ich
glaube, was wir jetzt haben, ist eine unvollständige Primäre
Feldtheorie, die verschiedene Aspekte der menschlichen Bedingung
miteinander verbindet. Zum Beispiel gibt es auf dem Feld der
Biologie Tumor-Unterdrücker-Gene, die sich unkontrolliert
entwickelnden Krebszellen entgegenwirken. Diese Gene wechselwirken
bereits im Mutterleib mit menschlicher Erfahrung (Psychologie),
welche diese Unterdrücker-Gene beeinflusst und vielleicht die
Entwicklung von Krebs zulässt. Des Weiteren kann dies dann zur späteren
Manifestation von Gehirntumoren führen (Neurologie). Wenn wir uns
nur augenscheinliche
Bilder des Tumors ansehen, ist unser Forschungsfeld ziemlich
beengt. Oder wenn wir uns nur das offensichtliche Zwangssymptom
anschauen, sind wir wieder in Verlegenheit. Oder wenn wir uns nur
das Blutsystem anschauen, so ist es zu begrenzt, um Antworten zu
liefern. Eine Primäre Feldtheorie zeigt an, wie sie sich alle überschneiden
und zusammenwirken, um Krankheit zu erzeugen. Ich glaube, wir
werden erst bei den Ursachen ankommen, wenn wir uns eine
Feldtheorie zu eigen machen. Andernfalls sind wir in der Position,
dass wir immer mehr über immer weniger wissen – die kleinsten
Details eines Symptoms untersuchen in der Hoffnung, endgültige
Ursachen zu entdecken. Das wird nicht geschehen.
Was ich noch wichtiger finde, ist die Frage, wie man diese
Krankheiten behandeln soll. Ein psychologischer Ansatz schließt
ein abgerundetes Verständnis aus genau wie jeder andere
Einzelansatz, z.B. der neurologische. Das erlaubt solche Schlüsse,
dass jemand gewalttätig ausagiert, weil es ihm an Serotonin
mangelt. Oder dass Migräne auf unzureichende Vasokonstriktion zurückzuführen
ist. Also mixen wir etwas Kaffee dazu und dem Patienten geht’s
besser. Ist das Problem damit gelöst? Die Manifestation oder das
Symptom vielleicht, aber nicht die Grundprobleme.
Wie
können wir dann so bewandert sein, um alle Phänomene in allen
drei Disziplinen zu verstehen? Möglicherweise gibt es ein paar
Leute auf der Welt, die genügend kompetent sind, aber vielleicht
ist das gar nicht nötig. Vielleicht kann die Feldtheorie die
Forschungsrichtung vorgeben, und dann können Spezialisten
aushelfen. Ich bin zum Beispiel
in Biologie nicht bewandert, aber meine Erfahrung, aktuelle
Forschung und unsere Untersuchungen natürlicher Killerzellen führen
mich zu der Theorie, dass diese Zellen, die Ausschau nach sich neu
entwickelnden Krebszellen halten, durch Erfahrung schwerwiegend
beeinflusst werden. Wir finden, dass sie in einer Art
Schaukelbewegung mit Kortisol zusammenwirken. Wenn wir den
Kortisolspiegel bei Patienten reduzieren, erhöht sich die Anzahl
natürlicher Killerzellen.
Wir
können dieses hinzufügen oder jenes wegnehmen, aber ohne
Feldtheorie können wir das Gesamtproblem nicht verstehen.
Andernfalls finden wir nur das, was wir engstirnig suchen, und
nicht mehr. Ein anderes Beispiel: Wir lernen, dass Telomere direkt
auf Kortisolspiegel reagieren; je niedriger der verbleibende
Kortisolspiegel ist, umso länger sind die Telomere. Da diese Länge
vielleicht erklärt, wie lange wir leben können, ist es von großer
Bedeutung, sie innerhalb einer Feldtheorie zu erforschen.
Andernfalls lernen wir eine Menge über Telomere (und die
Forschung ist wichtig) aber nicht, wie die das Psychische/die
Erfahrung sie beeinflusst. Alle Erfahrungsaspekte sind in unserem
Körper jederzeit mit im Spiel. Wir können sie zu Studienzwecken
abstrahieren, aber es ist dennoch eine Abstraktion.
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Übersetzung:
Ferdinand Wagner