Ich lese gerade ein Buch über das Leben von
Albert Einstein. Darin steht ein Satz, dass er an jemanden
schrieb: „Wie herrlich es ist, eine zu Grunde liegende Einheit
in einer Reihe von Phänomenen zu entdecken, die völlig separat
scheinen.“
Das ist ein
wichtiger Gedanke, weil ich glaube, dass es bei Primärtherapie
der Fall ist. Es ist uns gelungen, Bettnässen, Migräne, hohen
Blutdruck, Impulsivität, Besessenheit, Phobien und Gewalttätigkeit
als Erscheinungen zu verstehen, die durch eine zu Grunde liegende
Einheit bedingt sind. Also suchen wir, anstatt jedes neue
Erscheinen von Symptomen oder Verhalten de novo zu behandeln, nach
der zu Grunde liegenden Dynamik, die alle diese Phänomene
enstehen lässt. Das macht unsere Aufgabe viel einfacher und natürlich
komplexer.
Aber
denken Sie an die darin liegende Eleganz: Wir brauchen keine neue
Diagnose, wenn wir uns mit verschiedenartigen Phobien befassen,
weil es einen eingeprägten Schrecken gibt, der sie alle erklärt.
Es beseitigt die labyrinthische Aufgabe, jedem neuen Symptom oder
Verhalten nachzuspüren, um die Ursache herauszufinden. Hier
finden wir eine spezifische Zeit und einen spezifischen Ort, wo
ein vergangenes Ereignis in unser System eingraviert wird. Wir müssen
uns nicht mehr auf mystische Variablen wie das ‚Es’ oder
Schattenkräfte verlassen. Diese Vergangenheit ist erfahrbar,
sogar für Ereignisse während unseres Lebens im Mutterleib. Und
darüber hinaus ist sie behandelbar; denn eine einzige
grundlegende Variable kann die Behandlung der meisten voneinander
getrennten Verhaltensweisen oder Symptome begründen – die Einprägung.
Wir
arbeiten innerhalb der Richtlinien der Evolution, um Ursachen und
Lösungen zu finden. Wir wissen, dass wir der Evolution des
Gehirns nicht zuwiderhandeln können, wenn wir verstehen wollen,
wie wir das werden, was wir sind. Wenn wir in unserer Therapie in
der Gegenwart bleiben, vermeiden wir automatisch das, was mit
Sicherheit die Ursachen so vieler Abweichungen sind. Wir wissen,
dass Verhalten mit unserer Geschichte verknüpft ist, und wenn wir
Geschichte vermeiden, vermeiden wir Heilung. Wir verlassen uns
nicht mehr auf die Glaubensvorstellungen des Therapeuten, wir
verlassen uns auf die inneren Wahrheiten des Patienten; wenn wir
uns an diese Wahrheiten halten, werden wir davor bewahrt, in die
Irre zu gehen.
Wo
wir uns von allen allen anderen Therapien und Psycho-Theorien
trennen, ist der Gedanke, dass sich zeigende Symptome die
Wirklichkeit des Patienten sind. Zu Grunde liegender Schmerz
vereinigt so viel unseres Lebens, unseres Verhaltens und unserer
Krankheiten. Wenn wir diesen Schmerz nicht verstehen, können wir
die Notlage eines Patienten nie verstehen. Es kann ein einziger
Schmerz (Inzest) sein, der so viel über uns aufdeckt. Er ist in
der Tat das vereinigende Prinzip für Neurose und Psychose. Wir können
die Einprägung allmählich verstehen, da sie gleichzeitig Krebs,
Depression und hohen Blutdruck beeinflusst. Sie verbindet so viele
unterschiedliche Phänomene miteinander.
__________________
Übersetzung:
Ferdinand
Wagner