Ich
spreche oft von unserer inneren Apotheke. Wenn Schmerz die Arena
betritt, geht unser Gehirn in diese Apotheke und bestellt, was es
braucht; nehmen wir mal an, mehr Serotonin für die Synapsen, um
die Verdrängung zu unterstützen. Was die kommerziellen Apotheken
machen, ist, dass sie genau die Moleküle produzieren, die wir
innerhalb unserer Gehirne herstellen; und sie tun es, weil wir
selbst nicht genug herstellen können. Ich bin überzeugt, dass
die meisten von uns das herstellen, was wir im gewöhnlichen
Lebensverlauf brauchen. Aber wir wissen, dass es, gerade wenn sich
das Gehirn im Mutterleib entwickelt, Traumen gibt, die uns
befallen und niedrigere Serotonin-Sollwerte verursachen; das heißt,
wir können nicht absondern, was wir brauchen, weil Schmerz (schädliche
Elemente wie z.B. eine Mutter, die sehr ängstlich ist oder
raucht) das Gehirn veranlasst hat, seine Reserven im Kampf gegen
das Überwältigtwerden aufzubrauchen. Und das begründet einen ständigen
Mangel. Und was dann geschieht, ist, dass der Nachwuchs/der jetzt
Erwachsene ebenso chronisch ängstlich ist, weil seine/ihre
Schleusungsmechanismen defekt sind; und so geht der Kreislauf
weiter.
Es
ist zurzeit eine Debatte darüber im Gange, wie ratsam es ist,
Beruhigungsmittel im Mutterleib zu benutzen, um das mütterliche
System zu normalisieren. In beide Richtungen gibt es ein Minus.
Wenn man der Mutter keine Medikamente gibt, dann ist sie ängstlich
oder deprimiert und wird es an ihr Baby weitergeben. Wenn wir
Tranquilizer verabreichen, während der Fetus sich noch im
Mutterleib befindet, dann können diese ebenso auf das Baby übertragen
werden. Wir überlasten den Serotoninspiegel des Babys durch
Medikation. Es gibt keine großartige Lösung außer einer:
Normalisiere das System, bevor du schwanger wirst! Das ist
machbar, und wir haben in zahlreichen Studien gezeigt, dass wir
das Gehirnsystem nach einem Jahr Primärtherapie tendenziell
normalisieren. Das ist besser, als unserer inneren Fabrik in die
Quere zu kommen.
Frederich
van der Veen präsentierte dem Forum der Europäischen
Neurowissenschaft seine Forschungsergebnisse über Serotonin (Juli
2010). Sie gaben Versuchspersonen eine Dosis eines Serotonin-Verstärkers.
Diese Personen sahen sich dann traurige Fime an. Diejenigen auf
Medikation weinten viel weniger. Das Medikament senkte den
Schmerzspiegel wirkungsvoll und eröffnete etwas Zugang zu Tränen
und zu den traurigen Gefühlen. Normalerweise haben wir keine
niedrigen Serotoninwerte, ausgenommen aufgrund eines Traumas; und
die Traumen, die uns am frühesten im Leben zustoßen, sind die
gewaltigsten, weil sie tatsächlich mit Angelegenheiten auf Leben
und Tod zu tun haben. Weniger weinen bedeutet nicht nur weniger Tränenfluss;
es bedeutet auch weniger Zugang zu uns selbst und unseren Gefühlen.
Der Zweck der Serotonin-Verstärker besteht darin, einige unserer
Gefühle und Reaktionen darauf zu betäuben.
Spritzen
oder Pillen beseitigen den Schmerz oder den Aufruhr im System
nicht; sie verstecken das alles und machen uns noch unbewusster.
Aber diese Unbewusstheit kann töten; was du nicht kennst, das
kann dich verletzen. Die Einnahme von Medikamenten muss man als Überbrückungsmethode
sehen und nicht als Heilmittel.
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Übersetzung:
Ferdinand Wagner